Diese Eigenschaften sind besonders bei den knapp 150.000 oberbayerischen Schützen in reichem Maße vorhanden, wie nicht nur die vielen nationalen, sondern auch internationalen Erfolge unserer männlichen und weiblichen Schützen zeigen.
Ein scharfes Auge, eine sichere Hand und ein klarer Kopf mit hoher Konzentrationsfähigkeit sind aber auch wichtige Eigenschaften, die einem in der Schule, in der Ausbildung, im Beruf und auch sonst im Leben weiter helfen. Schießen ist also ein Sport, der einem nicht nur während der Ausübung, sondern auch daneben oder danach viel gibt – nicht umsonst lernt man dabei ja, ein Ziel zu treffen.
Liebe Schützen, wie Sie wissen, war früher die Fertigkeit beim Schießen immer auch die Voraussetzung für den Einsatz des Schützen in der Landesverteidigung. Einer der berühmtesten Schützen der Geschichte, der Tiroler Schützenhauptmann Andreas Hofer, hat diese Pflicht der Schützen zur Landesverteidigung und zur Bewahrung der Freiheit sehr ernst genommen und musste dafür vor genau 200 Jahren (20. Februar 1810) sein Leben lassen.
Wir können alle sehr froh sein, dass das in unserem Land schon lange nicht mehr der Fall ist, denn seit fast 65 Jahren leben wir in Deutschland in Frieden und Freiheit. Deshalb geht es heute erfreulicherweise bei den Schützen nicht mehr um das Verteidigen, sondern um das Bewahren unserer Heimat:
Denn dass wir in Bayern und wir in unserer schönen oberbayerischen Heimat unsere reiche kulturelle Vielfalt weitgehend bewahren und erhalten konnten - auch in Zeiten der Globalisierung -, dass die Pflege von Volkstum, Bräuchen und Tracht, von Mundart und Volksmusik bei uns nach wie vor groß geschrieben wird, dies ist vor allem unseren Vereinen und Verbänden zu verdanken.
Vor allem Sie, liebe Mitglieder der im Bezirk Oberbayern des Bayerischen Sportschützenbund organisierten Vereine, haben sich in besonderer Weise der Pflege der überlieferten Werte unserer Heimat verpflichtet. Sie sind mit Garanten dafür, dass die Schützentraditionen gepflegt und an die nächste Generation weitergegeben werden.
Meine Damen und Herren,
Schießsport ist heute aber längst nicht mehr nur Pflege von Traditionen, sondern ein hochmoderner Leistungssport. Besonders erwähnen möchte ich deshalb auch, dass seit Jahrzehnten unsere Sportschützen – viele davon aus Bayern – einen wesentlichen Beitrag zum erfolgreichen Abschneiden Deutschlands bei Olympischen Spielen, bei internationalen Meisterschaften – und bei anderen sportlichen Großereignissen – leisten. Um diese sportlichen Erfolge auch in Zukunft feiern zu können, wird der Freistaat Bayern den bayerischen Schützen allein in diesem Jahr 1,7 Millionen Euro an Unterstützung für den Schießstättenbau gewähren. Ich freue mich in diesem Zusammenhang auch sehr, dass im Sommer die 50. Weltmeisterschaft im Sportschießen auf der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück ausgetragen werden kann. Denn das ist der beste Beweis dafür, dass Bayern auch in Zukunft ein Mekka des internationalen Sportschießens bleibt!
Meine Damen und Herren, Sie üben diesen Sport in hoher Verantwortung aus. Durch Amokläufe und damit verbundenen mißbräuchlichen Waffengebrauch sind die Schützen leider oft mit an den Pranger gestellt oder mit in einen Topf geworfen worden. Ich unterscheide hier klar!
Mitglieder und Aktive im Schützenverein gehen höchst sorgfältig mit ihren Waffen um. Deshalb war es uns auch ein politisches Anliegen, nicht alles in Bausch und Bogen zu verbieten – wie viele gefordert haben - und damit den Schießsport zu erschweren. Wir haben vor allem darauf gesetzt, die Anzahl illegaler Waffen zu verringern, die Aufbewahrungspflicht für Schusswaffen zu verbessern und den Zugang Jugendlicher zu großkalibrigern Waffen zu erschweren. Dabei soll es aber auch bleiben. Bei jedem bedauerlichen neuen Vorfall nützt es nichts, die Gesetze immer weiter reflexartig zu verschärfen.
Liebe Schützen, der berühmte Schriftsteller Antoine de Saint-Exupèry, der Verfasser von „Der kleine Prinz", hat einmal gesagt:
„Eine Gemeinschaft ist nicht die Summe von Interessen, sondern die Summe von Hingabe."
Ich finde diesen Satz heute aktueller denn je und möchte Ihnen in diesem Sinne sehr herzlich dafür danken, dass Sie mit Ihrem ehrenamtlichen Engagement und der bewussten Pflege der Gemeinschaft unsere Gesellschaft bereichern.Mein Vater war lange Jahre Schützenmeister, ich bin selbst Mitglied im Schützenverein. Deshalb weiss ich, dass bei den Schützen Kameradschaft und auch Geselligkeit großgeschrieben wird. Neben der Pflege von Traditionen, neben der modernen sportlichen Komponente ist das für mich das dritte Element, das die Schützen ausmacht.
In diesem Sinn danke ich Ihnen herzlich für den Beitrag, den sie zur Förderung des traditionsreichen Schützensports, zur Pflege unseres Brauchtums in Oberbayern sowie zur Pflege der Gemeinschaft leisten. Ich bin davon überzeugt, dass es Ihnen deshalb auch in Zukunft gelingen wird, viele junge Menschen für den Schießsport zu begeistern!