Das Thema „psychisch Kranke" müsse bei den Kommunen noch besser verankert werden, was insbesondere für die ambulante Betreuung gelte. Dies forderte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert bei einem Besuch der psychiatrischen Tagesklinik des Bezirkes Schwaben. In Lindau im ehemaligen „Elisabethen-Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern" auf der Lindauer Insel hat der Bezirk 1999 eine Tageseinrichtung für psychisch Kranke mit 20 Plätzen geschaffen.
Psychologin Solveigh Schmitt und Krankenschwester Ruth Endriss erläuterten Reichert, der von Landtagsabgeordnetem Eberhard Rotter, Bezirksrat Gerd Bischoff, Bezirkstagskandidat Edgar Rölz und Landtagslistenkandidat Thomas Goebel begleitet wurde, die Arbeitsweise der Klinik, deren Patienten Erwachsene, quer durch alle Altersschichten seien, mit Schwerpunkt zwischen 30 und 50 Jahren. Durch ein „Bezugspersonsystem" sei eine Schwester zuständige Begleitung für jeweils vier bis fünf Patienten auch in organisatorischen und therapeutischen Fragen. Die Krankenpflege sei in die Therapie mit eingebunden. Obwohl die Familienangehörigen überwiegend stark engagiert seien und die Klinik auch Familiengespräche führe und eine kleinere Angehörigengruppe existiere, sei die Vereinsamung der Patienten ein
„Riesenproblem". Wichtige Aufgabe der Klinik sei daher auch die Stärkung der sozialen Kompetenz, damit Patienten sich trauten in Vereine zu gehen und die ambulanten Strukturen, die insbesondere von Kirchen angeboten würden, auch in Anspruch zu nehmen.
Mit ihrem Wunsch, zentrale Anlaufstellen für die Patienten in den Städten und Gemeinden zu schaffen, stießen die Klinikmitarbeiterinnen bei ihren Gästen, die als Bürgermeister, Gemeinde- und Kreisräte alle kommunalpolitisch engagiert sind, auf offene Ohren. Für den Therapieerfolg sei es von großer Bedeutung, dass die Patienten wüssten, wie ihnen nach Beendigung der Therapie in der Tagesklinik ambulant weitergeholfen werden könne.
Beeindruckt zeigten sich die Besucher vom Atelier im Dachgeschoß der Klinik, das ihnen von Kunsttherapeutin Mathilde Bentele vorgestellt worden ist. Hier werde gute Arbeit in der Gruppe geleistet. Die Patienten müssten lernen Kreativität zu entwickeln und durchzuhalten. Auch könnten die Therapeuten durch ein Bild oft mehr feststellen als durch viele Worte. Durch eine Ausstellung der Patientenbilder, die gemeinsam mit „Pro Lindau" organisiert wurde, geht die Klinik in den nächsten Wochen an die Öffentlichkeit, auch mit dem Ziel so zu „entstigmatisieren".
(Bild v.l.n.r. Eberhard Rotter, Kunsttherapeutin Mathilde Bentele, Gerd Bischoff, Thomas Goebel, Edgar Rölz, Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert)