Werkstattgespräch - Frauen starten durch
MINT-Berufe, also Tätigkeiten im Bereich Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften, werden häufiger von Männern als von Frauen ausgeübt.
„Unabhängig von konjunkturellen Entwicklungen droht in den kommenden Jahren eine strukturelle Fachkräftelücke in diesem Bereich“, so Brendel-Fischer. Im Jahr 2008 arbeiteten in Bayern über 70.000 Frauen, aber annähernd 400.000 Männer in MINT-Berufen. Der Anteil der Frauen in MINT-Berufen bei allen beschäftigten Frauen sei von 1999 bis 2008 nur leicht von 3,3 auf 3,6 Prozent angestiegen.
In der Diskussion von MINT-Praktikerinnen und Studentinnen wurde deutlich, dass mehr weibliche Vorbilder gerade jungen Mädchen zeigen müssen, welche Entwicklungschancen technische Berufe haben. Wissenschaftlich sei erwiesen, dass dabei die frühkindliche Bildung die besten Chancen berge, bei Kindern Lust auf Technik zu wecken. „Von entscheidender Bedeutung wird es aber sein, den Unterricht in den MINT-Fächern schon in der Schule so zu gestalten, dass möglich viele junge Leute sich für die naturwissenschaftlichen Fächer interessieren“, betonte die Vorsitzende der AG Frauen. Sie könne sich etwa auch vorstellen, Mädchen und Jungen in den Naturwissenschaften getrennt zu unterrichten.
Wissenschaft, Politik und Wirtschaft seien darüber hinaus gemeinsam gefordert, die Bedingungen für mehr MINT-Nachwuchs zu verbessern. „Die Hochschulen spielen in diesem Prozess eine herausgehobene Rolle“, so die Vorsitzende der AG Frauen. Ein Ergebnis des Werkstattgesprächs sei, dass viele junge Wissenschaftlerinnen trotzt herausragender Leistungen nur für kurze Zeit in Forschung gingen, da die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit zu schwierig sei. Brendel-Fischer: „Kinderbetreuung, Berufspausen, Jobsharing und die Arbeit von zu Hause aus, müssen in der männerdominierten Forschung zur Selbstverständlichkeit werden.“
Gudrun Brendel-Fischer kündigte an, dass die AG Frauen über den bereits im Landtag gestellten Antrag zu „MINT-Berufen“ weitere parlamentarische Initiativen plane. Dazu diene das bereits entstandene Netzwerk aus MINT-Praktikerinnen, Multiplikatoren, Studentinnen und Hochschulprofessorinnen.