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Politischer Club
»Frauen gehört das 21. Jahrhundert – mit Kompetenz an die Spitze«
Bild: Fraktionsvorsitzender Georg Schmid
Fraktionsvorsitzender Georg Schmid

Noch nie gab es in Deutschland so viele gut ausgebildete Mädchen und Frauen. Bei den erfolgreichen Studienabschlüssen haben die jungen Frauen die Männer bereits überholt. Wirft man aber einen Blick in die Vorstandsetagen von Unternehmen, sucht man Frauen oft vergeblich. Frauen verdienen zudem bei gleicher Arbeit in vielen Fällen immer noch weniger als Männer. Warum ist das so? Wann und warum gibt es Pausen oder Hindernisse für Frauen auf dem Weg in die Führungsebene? Kann eine Frauenquote helfen?

Zu diesen und weiteren Fragen hatte Fraktionsvorsitzender Georg Schmid zum Thema „Frauen gehört das 21. Jahrhundert – Mit Kompetenz an die Spitze“ fünf Frauen in Führungspositionen aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Verwaltung, Sport und Gesellschaft in den „Politischen Club“ eingeladen.

Die Damen auf dem Podium, die allesamt über eine bemerkenswerte berufliche Laufbahn berichteten, sprachen mit Moderatorin Birgit Kappel über ihre persönliche Motivation, eine Führungsaufgabe auszufüllen und gaben Tipps für jüngere Frauen, die einen ähnlichen Weg einschlagen wollen.

Kontrovers waren die Meinungen zum Thema Frauenquote. Hannelore Ratzeburg, die sich als Vizepräsidentin des Deutschen Fußball-Bundes in einer Männerdomäne behauptet, sprach sich deutlich für eine Quote aus. Freiwillige Selbstverpflichtungen haben nach Ansicht Ratzeburgs nicht die erhofften Verbesserungen gebracht. Eine Quote würde Fakten schaffen. Dass sich viele – gerade auch junge – Frauen gegen eine Frauenquote in Führungsetagen aussprechen, habe auch mit der Angst zu tun, eine Position nicht aufgrund ihrer Leistung zu bekommen, sondern um die Quote zu erfüllen. Es gebe einfach gute Argumente für und gute Argumente gegen eine Quote, fasste Ingrid Heckner, CSU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Fragen des öffentlichen Dienstes im Bayerischen Landtag, zusammen. Anders als in der freien Wirtschaft gebe es im öffentlichen Dienst, was Bezahlung und Ausgangschancen angeht, für Männer und Frauen gleiche Bedingungen, betonte Karolina Gernbauer, Amtschefin in der Bayerischen Staatskanzlei.

Wenn Frauen einen bestimmten Karriereweg nicht einschlagen oder ihn unterbrechen, liegt das meistens an dem Wunsch nach Familie. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei nach wie vor eines der wichtigsten Themen, wenn es um Frauen in Führungsverantwortung gehe, waren sich die Referentinnen des Abends einig. Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner, Dozentin an der Technischen Universität München und Aufsichtsrätin der Linde AG und Metro AG, hat als Mutter von drei Kindern diesen Spagat zu bewältigen. „Man muss Frauen und Männer gleichermaßen in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen“, so Achleitner, die ihre Tätigkeit in Teilzeit ausübt. „Kleine Dinge in der Unternehmenskultur können schon viel bewirken“, ist sie sicher und gibt dafür auch ein Beispiel: An ihrem Lehrstuhl hat sie eingeführt, dass keine Sitzung nach 16 Uhr stattfindet. Diese Maßnahme hilft nicht nur den Frauen, die in Teilzeit arbeiten und deshalb an späten Sitzungen nicht teilnehmen können, sondern auch den Vätern, die am Abend pünktlich gehen und mehr Zeit mit ihren Familien verbringen können. Eine große Herausforderung sei jedoch nicht nur die Betreuung von Kindern, sondern auch die Pflege der eigenen Eltern und die dadurch nötige Flexibilität am Arbeitsplatz.

Dass die Unternehmenskultur bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine wichtige Rolle spiele, sieht Dr. Christa Maar, Vorstandsvorsitzende der Hubert-Burda-Stiftung, ähnlich. Sie unterstützt in ihrem Unternehmen daher junge Frauen nicht nur im beruflichen Weiterkommen, sondern hat als Chefin auch Verständnis für Auszeiten ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus familiären Gründen. Sie hob die Bedeutung des Netzwerkens für Frauen hervor. Dabei sollten sie nicht nur auf reine Frauennetzwerke setzen, sondern sich auch mit Männern vernetzen. In diesem Zusammenhang betonte die Vorstandsvorsitzende der Hubert-Burda-Stiftung, dass sie in ihrer beruflichen Karriere besonders von Männern gefördert worden sei.

Moderatorin Birgit Kappel ging schließlich auch der Frage nach, ob bestimmte Charaktereigenschaften von Frauen auf dem Weg nach oben eher hinderlich seien. „Ein großes Herz allein hilft nicht“, meint Dr. Sissy Thammer, Intendantin des Festivals Junger Künstler Bayreuth. Frau müsse auch den Mut haben, zu handeln, denn „Macht kommt von machen.“ „Frauen fragen sich noch viel zu oft, ob sie bestimmte Aufgaben bewältigen können“, bestätigte auch Karolina Gernbauer: „Männer dagegen machen einfach“. Frauen bringen mit ihren sozialen Fertigkeiten zusätzliche Qualitäten ein, die sie nutzen sollten, waren sich die Expertinnen einig. In diesem Sinne sei es nicht besser oder schlechter eine Frau zu sein, sondern lediglich anders. Man solle die unterschiedlichen Charaktereigenschaften und Blickwinkel von Männern und Frauen nicht gegeneinander ausspielen, sondern zulassen und nutzen.

Gudrun Brendel-Fischer, die Leiterin der Arbeitsgruppe Frauen, betonte abschließend, dass nicht nur Frauen mit akademischer Ausbildung im Fokus der Debatte um berufliches Weiterkommen  stehen dürfen. Bei Karrierefragen  und den Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müsse man alle Frauen unterstützen – von der Friseurin oder der Physiotherapeutin, die sich selbständig machen will, über die Leiterin eines mittelständischen Unternehmens bis hin zur Wissenschaftlerin.

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