Qualität und Gerechtigkeit sind der Maßstab für unsere Bildungspolitik. Qualität braucht gute Rahmenbedingungen. Deshalb ist die Bildung ein Investitionsschwerpunkt für uns. Gerecht ist, wenn die Schüler im Mittelpunkt stehen und vielfältige Bildungswege für die vielfältigen Begabungen bestehen. Gerecht ist, wenn wir die Durchlässigkeit und Kooperation zwischen den Schularten erhöhen und nach jedem Abschluss einen Anschluss anbieten, um jedem jungen Menschen den optimalen Bildungsabschluss zu ermöglichen.
1. Vorschläge/Pläne zur Bildung in Bayern
Weitere Erhöhung der Durchlässigkeit des Bildungssystems
Unsere Kernziele sind Qualität und Gerechtigkeit. Deshalb ist es uns seit Jahren ein Anliegen, die Durchlässigkeit des Bildungssystems weiter zu erhöhen.
Eine Reihe von Maßnahmen haben wir schon umgesetzt mit dem Erfolg, dass sich Bayern bei PISA 2006 beim Vergleich der Chancengerechtigkeit bundesweit auf den 4. Platz verbessert hat. Ein weiterer Beleg für die Durchlässigkeit ist, dass über 41% der Hochschulzugangsberechtigungen nicht über das Gymnasium, sondern insbesondere über die berufliche Bildung erworben werden. Unser Ziel ist, die Übergänge zwischen den Schularten besser zu gestalten. Künftig werden wir daher in einem Modellversuch die Kooperation zwischen Haupt- und Realschule erproben. Auch die Möglichkeiten weiterer Kooperationen zwischen Hauptschule, Berufs- und Wirtschaftsschule werden wir verbessern. Das Übertrittsverfahren haben wir weiterentwickelt, dabei die kindgerechte Förderung intensiviert, die Transparenz erhöht und den Elternwillen gestärkt. Im kommenden Schuljahr wird dieses neue Übertrittsverfahren erstmals zum Tragen kommen.
Weiterentwicklung der Hauptschule zur Mittelschule ab dem Schuljahr 2010/11:
Die bayerischen Hauptschulen erhalten die Möglichkeit, sich ab dem Schuljahr 2010/11 zu Mittelschulen weiterzuentwickeln, um den Schülern neue Chancen auf dem Weg in den Beruf zu eröffnen. Wir setzen dabei weiter auf das bewährte Klassenlehrerprinzip und eine vertiefte Berufsorientierung. Jede Mittelschule muss zur Berufsvorbereitung die drei Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales anbieten, genauso wie ein Ganztagsangebot und Kooperationen mit der Berufsschule, regionalen Wirtschaftsunternehmen und der Arbeitsagentur. Auch die individuelle Förderung soll ab der 5. Klasse verstärkt werden, insbesondere in Deutsch, Englisch und Mathematik. Neben dem erfolgreichen und qualifizierenden Hauptschulabschluss können die Schüler der Mittelschule zwei neue Bildungsabschlüsse erlangen: Den Praxisklassenabschluss, der von Theorie entlastet und einen deutlichen Schwerpunkt auf Praxis legt, und einen verbesserten mittleren Bildungsabschluss, der dem Niveau von Wirtschafts- und Realschule entspricht.
Fortentwicklung der Grundschule
Die Grundschulen leisten bisher schon hervorragende Arbeit, wie u.a. die internationale IGLU-Studie bestätigt. Die Grundschule soll jedoch noch entwicklungs- und kindgerechter werden. Wenn ein Kind für die ersten beiden Klassen drei Jahre benötigt, soll das nicht auf die Pflichtschulzeit angerechnet werden. Andererseits soll es auch möglich sein, die ersten beiden Klassen innerhalb eines Jahres zu absolvieren. Außerdem wollen wir die frühere Einschulung zurücknehmen und dazu den Stichtag für die Einschulung wieder zurückverlegen.
Stärkung der Rechte von jungen Menschen mit Behinderungen in der schulischen Bildung
Junge Menschen mit Behinderung sollen besser gefördert werden Dazu soll die Kooperationsmöglichkeit zwischen allgemeiner Schule und Förderschule verbessert und die Mobile Sonderpädagogische Förderung an allgemeinen Schulen ausgebaut werden. Außerdem wollen wir sog. Inklusionsklassen einführen, in denen Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam durch Volksschullehrer und Förderschullehrer unterrichtet werden. Dies ist eine Maßnahme, um die Anforderungen der UN-Behindertenrechtekonvention umzusetzen.
Stärkung des Bildungserfolgs von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund
Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sollen verstärkt gefördert werden. Dazu wird bereits zum kommenden Schuljahr die Schülerhöchstgröße für Klassen mit hohem Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund deutlich gesenkt.Weiterhin wollen wir Deutschfördermaßnahmen in Kindergärten und Grundschulen weiter ausbauen. Durch eine Ausweitung der Sprachstandsfeststellung und individuelle Förderangebote sollen Kinder mit Migrationshintergrund noch gezielter sprachlich gefördert werden. Mittelfristig wollen wir interkulturelle Fachberater an Schulen mit hohem Migrantenanteil installieren. Unser Ziel ist es, für den Lehrerberuf mehr junge Menschen mit Migrationshintergrund zu gewinnen. Diese können eine wichtige Vorbildfunktion erfüllen und haben auch ein besonderes Verständnis für die Bedürfnisse junger Menschen mit Migrationshintergrund. Für muslimische Kinder soll im Rahmen eines Modellversuchs islamischer Unterricht eingeführt werden, der dann schrittweise in der Fläche ausgebaut werden kann. Der Unterricht wird in deutscher Sprache gehalten. Der Lehrplan des Islamischen Unterrichts vermittelt neben den religiösen Inhalten des Islam auch die Werte unserer freiheitlich-demokratischen Verfassung.
Stärkung des Dialogs
Wir wollen den Dialog zwischen allen an Schule Beteiligten stärken. Dazu gehört ein weiterer Ausbau des Schulforums. Für die wichtige Aufgabe der Erziehung ist unser Leitbild die Erziehungspartnerschaft zwischen Lehrern und Eltern. In den Landkreisen besteht die neue Möglichkeit, Dialogforen einzurichten. Dieses Dialogforum kann sich mit allen Fragen, die Schule betreffen, befassen. Die ersten Dialogforen sind bereits gestartet und befassen sich mit dem Thema der Hauptschulstruktur.
Weiterentwicklung der Lehrerbildung
Die Qualität unserer Schulen hängt von der Qualität unserer Lehrkräfte ab. Wir wollen die Lehrerbildung in Bayern qualitätsorientiert weiterentwickeln und an die neuen Anforderungen unserer Schulen anpassen. Zum einen geht es darum, die besten Studierenden für ein Lehramtsstudium zu gewinnen, Ziel ist es jedoch auch, noch mehr schulische und pädagogische Praxis in die Lehrerbildung einzubinden.
2. Was sind die dringlichsten Herausforderungen?
Erhalt der wohnortnahen Schule
Trotz zurückgehender Schülerzahlen ist ein zentrales Ziel, Hauptschulen so lange wie möglich vor Ort zu erhalten. Das Instrument dabei ist die Bildung von Schulverbünden. Dadurch können Hauptschulen, die alleine nicht das für eine Mittelschule notwendige Bildungsangebot anbieten können, dieses mit anderen Standorten zusammen anbieten. Jede Schule in diesem Schulverbund bleibt dadurch eigenständig, kann sich aber dennoch zur Mittelschule weiterentwickeln. In den neuen Dialogforen, die alle Beteiligten vor Ort im Gespräch zusammenführen, kann beispielsweise die Bildung von Schulverbünden diskutiert und eine auf die regionalen Besonderheiten angepasste Struktur gefunden werden.
Senkung der Klassenstärken
Wir wollen die Klassenstärken an allen Schularten senken. Bereits in den letzten Jahren ist der Kultusetat deutlich gestiegen: In den letzten neun Jahren ist die Anzahl der Schüler um rund zwei Prozent gewachsen, zugleich sind die Mittel bzw. Stellen um fast sieben Prozent angestiegen. Im Doppelhaushalt sind über 2700 zusätzliche Lehrerstellen vorgesehen. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen Klassenhöchstzahlen von 25 an den Grund- und Hauptschulen bzw. von 30 an den übrigen Schulen schrittweise erreicht werden. Bereits zum nächsten Schuljahr wird in den Hauptschulklassen mit hohem Anteil an Migranten die Klassenhöchstzahl gesenkt.
Bedarfsgerechter Ausbau der Ganztagsangebote
Die Ganztagsschulen werden weiter bedarfsgerecht ausgebaut. Derzeit gibt es ca. 400 gebundene Ganztagszüge an Grund-, Haupt und Förderschulen. Im Schuljahr 2009/10 kommen 110 Ganztagszüge an Grundschulen, 72 an Hauptschulen und 36 an Förderzentren hinzu. Bis zum Schuljahr 2013/14 wollen wir gebundene Ganztagszüge an 540 Grundschulen, 600 Hauptschulen, an allen Sonderpädagogischen Förderzentren sowie in der Unterstufe auch an Realschulen und Gymnasien. Auch die offenen Ganztagsangebote werden verstärkt, zum neuen Schuljahr 2009/2010 auf insgesamt rund 2.800 Gruppen.
Ausbau der Frühförderung
Ein zentrales Ziel ist der Ausbau der Frühförderung. Je früher Defizite ausgeglichen werden können, desto leichter ist ein Schulerfolg möglich. Daher wollen wir insbesondere Kinder mit Sprachdefiziten schon vor der Einschulung intensiv fördern. Dazu haben wir den Vorkurs Deutsch eingerichtet, der von Kindergarten und Grundschule gemeinsam gehalten wird. Diese Sprachförderung wollen wir für alle Kinder ausbauen, d.h. nicht nur für Kinder mit Migrationshintergrund, sondern auch für die deutschen Kinder.
3. Was ist gut und sollte unbedingt erhalten bleiben?
Unbedingt erhalten bleiben soll unser bewährtes differenziertes Schulsystem. Mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium, mit den beruflichen Schulen und den Förderschulen bietet unser Schulsystem für jedes Talent und für jedes Entwicklungstempo das passende Bildungsangebot. Wir brauchen vielfältige Bildungswege für die vielfältigen Talente.