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17.07.2017

Langzeitarbeitslosigkeit: Wie kann man sie vermeiden?

Joachim Unterländer, Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration des Bayerischen Landtags:

Langzeitarbeitslosigkeit lässt sich am besten durch zwei Dinge vermeiden: Erstens durch einen gut aufgestellten Arbeitsmarkt. Je mehr Beschäftigung es gibt, desto geringer ist die Gefahr, dass man arbeitslos wird. Zweitens durch eine gute Ausbildung. Denn die Hälfte der Langzeitarbeitslosen hat keine abgeschlossene Berufsausbildung. In Bayern funktioniert die Vermeidung der Langzeitarbeitslosigkeit gut – laut Vierten Bericht zur Sozialen Lage hat Bayern bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen einen Langzeitarbeitslosenquote von 0,9 Prozent. Das ist bundesweit der niedrigste Wert. Der bundesweite Wert liegt sogar bei 2,4 Prozent.

Die für mich jedoch wichtigere Frage ist nicht die Vermeidung von Langzeitarbeitslosigkeit, sondern die der Reduzierung: Wie können wir Langzeitarbeitslose wieder zurück in den Arbeitsmarkt führen? Das Thema haben wir auch in unserem Dringlichkeitsantrag zum Vierten Bericht zur Sozialen Lage thematisiert: Bei der Bekämpfung von Landzeitarbeitslosigkeit muss ein ganzheitlicher Ansatz gewählt werden! Denn Langzeitarbeitslosigkeit ist meist nicht monokausal, sondern hat vielfältige Ursachen. Die Betroffenen benötigen daher eine intensive und rechtskreisübergreifende Unterstützung. Und das funktioniert: Im Jahr 2010 sind die Modellprojekte „Perspektiven für Familien“ und „Tandem“ in den Städten Nürnberg und Fürth gestartet. Bei diesen wird die ganze Familie mit eingebunden und erhält bei Bedarf eine intensive Betreuung, Unterstützung und Begleitung. Denn wie soll zum Beispiel die alleinerziehende Mutter eine Ausbildung beginnen, wenn sie keinen Betreuungsplatz für ihr Kind hat? Wir helfen damit nicht nur dem Langzeitarbeitslosen selbst, sondern auch den Kindern. Denn ein Vater oder Mutter, die wieder eine Beschäftigung haben, sind ein Vorbild für ihre Kinder. Sie zeigen, dass scheinbar ausweglose Situationen überwindbar sind.

Die Modellprojekte sind so erfolgreich, dass der Freistaat nun mit dem Projekt CURA (Coaching von Familien zur Bekämpfung urbaner Arbeitslosigkeit) den ganzheitlichen Ansatz in ganz Bayern voranbringen will.

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