Antragssuche

Forschungsvorhaben zum Mischfruchtanbau

21.02.2019 - Antrag | 18/1677

Initiatoren:
Tanja Schorer-Dremel, Martin Schöffel, Wolfgang Fackler, Alexander Flierl, Petra Högl, Thorsten Schwab, Klaus Steiner, Manuel Westphal, Florian Streibl, Fabian Mehring, Leopold Herz, Peter Bauer, Manfred Eibl, Susann Enders, Hubert Faltermeier, Hans Friedl, Tobias Gotthardt, Eva Gottstein, Joachim Hanisch, Wolfgang Hauber, Johann Häusler, Alexander Hold, Nikolaus Kraus, Rainer Ludwig, Gerald Pittner, Bernhard Pohl, Kerstin Radler, Gabi Schmidt, Jutta Widmann, Benno Zierer

Die Staatsregierung wird aufgefordert zu prüfen, ob Formen von Mischfruchtanbau, insbesondere mit Leindotter durch Forschungsvorhaben untersucht werden können. Auch Untersuchungen zur Öl- und Eiweißqualität von Leindotter unter unterschiedlichen Bedingungen sollten dabei berücksichtigt werden. Leindotter blüht von Ende Mai bis Anfang Juli, was ihn im Sinne der Biodiversität und Artenvielfalt besonders für Bienen attraktiv macht, da zu diesem Zeitpunkt eine Trachtlücke besteht. Die Umsetzung erfolgt im Rahmen vorhandener Stellen und Mittel.



Der Mischfruchtanbau von Leindotter mit Getreide (z. B. Winterweizen) ist sowohl im Rahmen der Betriebsprämienregelung zulässig, als auch im Kulturlandschaftsprogramm nicht förderschädlich. Eine zusätzliche Förderung des Mischanbaus ist jedoch im KULAP derzeit nicht vorgesehen.


Indes wird in Bayern die Reinsaat von Leindotter im Rahmen der Maßnahme B46 -Vielfältige Fruchtfolge mit alten Kulturarten- speziell gefördert. Bei dieser Maßnahme kann kein Mischanbau von Leindotter gefördert werden.  Bisher war die Staatsregierung der Ansicht, dass der Mischanbau ein Risiko für den Zuwendungsempfänger dahingehend birgt, dass die geförderte Kultur, wie in diesem Fall der Leindotter, vom Mischpartner unterdrückt wird und somit ein sanktionsrelevanter Verstoß vorliegen würde. Aufgrund der angespannten Haushaltsmittelsituation beim KULAP, die dazu führte, dass bereits seit 2016 nicht alle ursprünglich angebotenen Maßnahmen zur Neuantragstellung geöffnet werden können, wurde bislang kein Spielraum für die Öffnung der o. g. Maßnahme B46 gesehen.


Im Rahmen der Eiweißinitiative werden verschiedene Forschungs- und Beratungs­projekte mit dem Ziel gefördert, die Versorgung durch heimisch erzeugte Eiweißfutter­mittel zu verbessern und die Abhängigkeit von importierten Eiweißfuttermitteln aus Übersee, das häufig gentechnisch verändert ist, zu vermindern.


Im Rahmen der Eiweißinitiative werden bislang keine konkreten Flächenförder­maßnahmen auf landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt. Impulse aus der Eiweißinitiative sind jedoch in verschiedene Maßnahmen des KULAP eingeflossen. Insofern besteht bislang keine Möglichkeit, den Mischanbau von Leindotter im Rahmen der Eiweißinitiative zu fördern.


Feldversuche in Brandenburg haben gezeigt, dass Leindotter eine enorme Trockenresistenz aufweist, während die Erbse aufgrund der wüstenhaften Trockenheit Brandenburgs im Jahr 2018 vorzeitig verdorrte. Der Leindotter erreichte seine volle Entwicklung und Erntemenge. Leindotter hat eine Humus bildende Wirkung und besitzt Vorfruchtwert.


Für die Honigbienen besteht im Monat Juni in der Feldflur eine Trachtlücke. Durch verstärkten Leindotteranbau für die Nahrungsmittelindustrie kann diese Trachtlücke geschlossen oder zumindest verringert werden, da er von Ende Mai bis Anfang Juli blüht. Die positiven Auswirkungen von Leindotteranbau auf die Population von Wildbienen wurde bereits innerhalb des EU-Projektes -Innovation Incubator Platform for sustainable aviation fuels- erforscht.


Beim Anbau von Leindotter in Österreich konnte im Reinanbau bereits eine Aminosäure-Struktur festgestellt werden, die der gewünschten optimalen Zusammen­setzung für die menschliche Ernährung entsprach. Es wurden dabei weiterhin ein hoher Gesamteiweißgehalt (ca. 40%) und ein hoher Anteil an Linolensäure (ca. 40% des Pressöls) festgestellt. Bei dieser Untersuchung wurde ebenfalls festgestellt, dass der Gehalt an essentiellen Aminosäuren etwa doppelt so hoch wie bei einem Hühnerei war.


Der Leindottersamen besitzt einen hohen Anteil an Linolensäure (Omega3), der jedoch ebenso stark vom Anbau abhängen kann wie die Zusammensetzung der essentiellen Aminosäuren. Der den Landwirten bezahlte Preis für den Leindottersamen hängt zur Zeit nur an dem hohen Gehalt an Linolensäure in dem gepressten Speiseöl und der Verwendung des Presskuchens als Viehfutter.


Weiterverarbeitende Betriebe haben sich dahingehend geäußert, dass eine Anhebung des Preises für Leindottersamen dann möglich wäre, wenn ein bestimmter Mindest­gehalt an der für die menschliche Ernährung so gut passenden Zusammensetzung der essentiellen Aminosäuren und des Gehalts an Linolensäure garantiert werden kann. Der Einsatz des Presskuchens für die menschliche Ernährung bedeutet eine Aufwertung gegenüber der bisherigen Verwendung als Viehfutter. Leindottereiweiß hätte durch seine spezielle Zusammensetzung an essentiellen Aminosäuren ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen für die menschliche Ernährung geeigneten pflanzlichen Nahrungsmitteln.

Zurück zur Übersicht