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Einrichtung eines Lehrstuhls für komplementäre und integrative Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg und Gründung eines -Kompetenznetzwerks Integrative Medizin-

17.12.2018 - Antrag | 18/416

Initiatoren:
Klaus Holetschek, Bernhard Seidenath, Robert Brannekämper, Winfried Bausback, Barbara Becker, Alex Dorow, Ute Eiling-Hütig, Johannes Hintersberger, Beate Merk, Martin Mittag, Stephan Oetzinger, Franz Josef Pschierer, Helmut Radlmeier, Andreas Schalk, Manuel Westphal

Die Staatsregierung wird aufgefordert zu berichten,



  1. ob und wie im Rahmen vorhandener Stellen und Mittel unter Berücksichtigung ihrer Hochschulautonomie an der neuen Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg oder an einer anderen bayerischen Universität Aktivitäten im Bereich der komplementären und integrativen Medizin- gestärkt werden können. Dabei sollen

  2. die Voraussetzungen geprüft werden, wie ein -Kompetenznetzwerk Integrative Medizin- gegründet und unterstützt werden kann, das sich zum Ziel setzt, praxisbezogene Versorgungsmodelle zu entwickeln, zu evaluieren und in die Versorgung zu implementieren.



Die Naturheilkunde hat gerade in Bayern große Bedeutung, nicht zuletzt durch die Lehre von Sebastian Kneipp. Umfragen zeigen: Siebzig Prozent der Menschen wollen Naturmedizin als Ergänzung zur Schulmedizin. Wir sollten in Bayern diesem vielfach geäußerten Wunsch und dem daraus resultierenden Anspruch auch gerecht werden und die richtigen Weichen für eine wissenschaftlich fundierte Grundlage stellen. Begrüßenswert wäre es deshalb, wenn an der neu gegründeten Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg auch ein Lehrstuhl für komplementäre und integrative Medizin eingerichtet wird.


Wie die Naturheilkunde sich erfolgreich in die medizinische Forschung und klinische Praxis eingliedern lässt, zeigen die USA, wo die Komplementärmedizin seit vielen Jahren institutionell fest verankert und finanziell stark gefördert wird. So gründete der Kongress bereits 1992 das Office of Alternative Medicine und 1999 das National Center of Complementary and Alternative Medicine. Das letztgenannte Institut wurde im Jahr 2015 in National Center of Complementary and Integrative Medicine umbenannt. Das Fördervolumen für dieses Institut beträgt 130,5 Millionen US $ im Jahr 2017.


Das Beispiel der USA zeigt, wie erfolgreich Naturheilkunde sich in die medizinische Forschung und klinische Praxis eingliedern lässt. Dort ist vor rund 20 Jahren auf Druck der Patienten die -Integrative Medizin- entstanden - die Verbindung von traditionellen Heilverfahren mit der naturwissenschaftlich orientierten Medizin auf wissenschaftlich überprüfbarer Basis. Die Mehrzahl der großen amerikanischen Kliniken, darunter auch so berühmte wie das Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York oder die Harvard Medical School in Boston haben seither Abteilungen für Integrative Medizin.


Gesteuert wird diese Entwicklung vom staatlichen NCCAM-Institut, das 1998 vom amerikanischen Kongress gegründet worden war und sich seither von einer Lobbyorganisation zu einer respektablen wissenschaftlichen Behörde mit strengen methodischen Ansprüchen gewandelt hat. Unter anderem fördert das NCCAM modernste Ansätze im Bereich der Patienten- und Versorgungsforschung, die in den USA als Folge der Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama zentrale Bedeutung erlangen. Sie zeigen, wie erfolgreich traditionelle Heilverfahren gerade im Bereich chronischer Erkrankungen sind.


In Deutschland hingegen ist die Forschung im Bereich Naturheilkunde und traditionelle Heilverfahren vor allem auf Stiftungen und private Spender angewiesen.


Darüber hinaus wäre der Aufbau eines Kompetenznetzwerks Integrative Medizin wichtig, um praxisbezogene Versorgungsmodelle zu entwickeln, zu evaluieren und in die Versorgung zu implementieren. Mitglieder und Partner könnten beispielsweise Kliniken und Vertreter aus der ambulanten Versorgung sein.


 


 

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