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Todesfälle durch multiresistente Keime vermeiden I - Durch Einhaltung von Umweltstandards Resistenzentwicklungen eindämmen

19.12.2018 - Antrag | 18/3317

Initiatoren:
Bernhard Seidenath, Barbara Becker, Ute Eiling-Hütig, Klaus Holetschek, Beate Merk, Martin Mittag, Helmut Radlmeier, Manuel Westphal

Die Staatsregierung wird aufgefordert, beim Bund dafür einzutreten, dass bei der Weiterentwicklung seiner Spurenstoffstrategie solche Vereinbarungen und Regelungen mit der pharmazeutischen Industrie berücksichtigt werden, die geeignet sind, die Einhaltung von ausreichenden Umweltstandards bei der Herstellung von Importprodukten zu fördern. Sobald Vereinbarungen und Regelungen bestehen, wird die Bundesregierung gebeten zu prüfen, wie diese auch Eingang in das Krankenversicherungsrecht finden kann, z.B. als Kriterium bei dem Abschluss von Rabattverträgen der Krankenkassen.



Dem OECD-Bericht -Stemming the Superbug Tide- vom November 2018 zufolge könnten in den kommenden 31 Jahren bis zum Jahr 2050 - rund 2,4 Millionen Menschen in Europa, Nordamerika und Australien an Infektionen mit multiresistenten Keimen versterben. Wie eine Studie der britischen Regierung aus dem Jahr 2014 belegt, werden - falls geeignete Gegenmaßnahmen ausbleiben - im Jahr 2050 weltweit mehr Menschen an Infektionen mit multiresistenten Keimen versterben als an Krebs.


Die Antibiotikaproduktion in Deutschland wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten erheblich zurückgefahren. Mittlerweile werden über 80% der in Deutschland verarbeiteten Intermediates, also von Zwischenprodukten, die die Grundlage für die Antibiotikaproduktion bilden, und Antibiotikawirkstoffen aus Nicht-EU-Ländern - hauptsächlich China und Indien - importiert. Da dort Umweltstandards oftmals nicht eingehalten werden, können die Produktionsschwerpunkte in China und Indien auch zu einer Entstehung multiresistenter Keime beitragen. So finden sich in der direkten Umgebung von Produktionsstandorten sehr hohe Konzentrationen von Antibiotikawirkstoffen. Wasserproben aus dem indischen Hyderabad, die das Institut für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Leipzig entnahm, ergaben, dass die Konzentrationen an Rückständen von Antibiotika und Pilzmitteln teilweise 1000-fach über dem von dem Leipziger Institut ermittelten Grenzwert lagen. Die britische Umweltstiftung -Changing Markets- kam zu ähnlichen Ergebnissen: hier wurden rund um das als -Zentrum der Medikamentenproduktion- beschriebene Hyderabad in 16 von insgesamt 34 Wasserproben Bakterien gefunden, die resistent gegenüber Antibiotika waren - vier Proben enthielten nachweislich multiresistente Keime, die gegen drei Hauptgruppen von Antibiotika resistent sind. Im März 2017 hat die ARD-Infosendung -Der unsichtbare Feind - Tödliche Supererreger aus Pharmafabriken- auf die Entstehung resistenter Keime durch indische Produktionsanlagen hingewiesen und damit eine breite Öffentlichkeit in Deutschland beeindruckt.


Das Umweltbundesamt sieht die Gründe der Wasser-Kontaminierung mit Antibiotikawirkstoffen vor allem im schlechten Abwassermanagement der Produktionsanlagen - mit der Folge einer zunehmenden Entstehung und Verbreitung von antibiotikaresistenten Krankheitserregern. Von besonderer Bedeutung ist dabei eine Resistenz gegen Antibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme in Indien und Ostchina. Diese werden in Deutschland bisher nur als Reserveantibiotika zur Behandlung schwerer Infektionen verwendet. Nach Expertenmeinung aus der Abteilung für Medizinische Mikrobiologie der Ruhr-Universität Bochum würde eine Zunahme der Resistenz gegen Carbapeneme die therapeutischen Möglichkeiten hierzulande deutlich einschränken.


Tatsächlich ist in Deutschland eine Zunahme importierter antibiotikaresistenter Bakterien durch den wachsenden Tourismus in diese Gebiete zu verzeichnen. Das Umweltbundesamt stellt fest, dass durch die Globalisierung EU-Bürger mit Antibiotikaresistenzen konfrontiert werden können, die sich in antibiotikaproduzierenden Ländern durch die Emissionen in die Umwelt und/oder die verbreitete Anwendung entwickelt haben. Demnach tragen z.B. 70% der Touristen aus Indien multiresistente Bakterien in sich.


Deshalb muss beim Import von Arzneimitteln, insbesondere von Antibiotika, darauf geachtet werden, dass bei der Herstellung die in Deutschland dann geltenden Umweltstandards eingehalten wurden. Dies könnte z.B. über eine entsprechende Ausschreibung von Rabattverträgen geschehen.


 

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