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Todesfälle durch multiresistente Keime vermeiden V - Berichtsantrag zum Einsatz von Phagen als mögliche Alternative zur Antibiotikatherapie

21.12.2018 - Antrag | 18/3321

Initiatoren:
Bernhard Seidenath, Tanja Schorer-Dremel, Barbara Becker, Ute Eiling-Hütig, Klaus Holetschek, Beate Merk, Martin Mittag, Helmut Radlmeier, Manuel Westphal, Florian Streibl, Fabian Mehring, Susann Enders, Peter Bauer, Manfred Eibl, Hubert Faltermeier, Hans Friedl, Tobias Gotthardt, Eva Gottstein, Joachim Hanisch, Wolfgang Hauber, Johann Häusler, Leopold Herz, Alexander Hold, Nikolaus Kraus, Rainer Ludwig, Gerald Pittner, Bernhard Pohl, Kerstin Radler, Gabi Schmidt, Jutta Widmann, Benno Zierer

Die Staatsregierung wird aufgefordert, dem zuständigen Ausschuss mündlich und schriftlich über den Einsatz von Phagen als Alternative zur Antibiotikatherapie sowie über den möglichen Beitrag von Phagen zur Vermeidung multiresistenter Keime zu berichten.


Dabei sind nachfolgende Aspekte zu beleuchten:


1. Wie schätzt die Staatsregierung die therapeutische Wirksamkeit der Phagentherapie als Ersatz für eine Antibiotikatherapie im Bereich der Humanmedizin ein-



  • Inwieweit könnten Antibiotika durch Phagen ersetzt werden-

  • Deckt eine Behandlung mit Phagen dieselben bakteriellen Erkrankungen ab wie eine Behandlung mit Antibiotikawirkstoffen


2. Wie schätzt die Staatsregierung den Einsatz von Phagen kurz, mittel- und langfristig ein, um multiresistente Keime durch Antibiotika zu vermeiden-


3. Woran liegt es, dass die Phagentherapie in Deutschland und der EU noch nicht zugelassen ist-


4. Wie ist die Haltung der Staatsregierung bzgl. einer Zulassung der Phagentherapie in Deutschland-


5. Wie beurteilt die Staatsregierung Vorstöße zur experimentellen Phagentherapie wie beispielsweise in Polen, wo Phagen zwar noch nicht allgemein zugänglich, die Behandlung als sogenannte -experimentelle Therapie- jedoch erlaubt ist, wenn keine andere Therapieform mehr anschlägt-


6. Gibt es Pläne der Staatsregierung, die Forschung um die Phagentherapie sowie die Zulassung der Phagentherapie voranzutreiben-



  • Wird dabei auch über den Aufbau einer Phagenbank, nach dem Vorbild des Eliava-Instituts in Tiflis (Georgien), wo die weltweit größte Phagenbank angesiedelt ist, nachgedacht-



Dem OECD-Bericht "Stemming the Superbug Tide" vom November 2018 zufolge könnten in den kommenden 31 Jahren bis zum Jahr 2050 - rund 2,4 Millionen Menschen in Europa, Nordamerika und Australien an Infektionen mit multiresistenten Keimen versterben. Wie eine Studie der britschen Regierung aus dem Jahr 2014 belegt, werden - falls geeignete Gegenmaßnahmen ausbleiben - im Jahr 2050 weltweit mehr Menschen an Infektionen mit multiresistenten Keimen versterben als an Krebs.


Der Anstieg an multiresistenten Keimen ist zum einen einer oftmals unnötigen Antibiotikaverordnung geschuldet: so waren nach den Daten des Antibiotika-Reports der DAK im Jahr 2013 rund 30 Prozent der Verordnungen aufgrund der Diagnose (Virusinfektionen) unnötig. Zum anderen nimmt die Anzahl an Antibiotikaverordnungen generell zu: laut dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) haben im Jahr 2015 allein die niedergelassenen Ärzte im Freistaat rechnerisch jedem Erwerbstätigen 4,3 Tagesdosen Antibiotika verschrieben. Sowohl die unnötige als auch die zunehmende Verordnung von Antibiotika führen zu einer vermehrten Bildung von Resistenzen.
Demnach ist es unumgänglich, nach Behandlungsalternativen zu Antibiotikapräparaten, die durch multiresistente Keime zunehmend wirkungslos werden, zu suchen. Der Antrag zielt deshalb darauf ab, zu untersuchen, ob und inwieweit Phagen diese Rolle übernehmen könnten.

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