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Umwelt und Wirtschaft gemeinsam denken - Bayern zum Leitmarkt für Clean Economy entwickeln

04.07.2019 - Antrag | 18/6770

Initiatoren:
Martin Huber, Eric Beißwenger, Sandro Kirchner, Alexander König, Tanja Schorer-Dremel, Volker Bauer, Barbara Becker, Alexander Flierl, Petra Loibl, Beate Merk, Benjamin Miskowitsch, Martin Mittag, Walter Nussel, Ulrike Scharf, Klaus Steiner, Klaus Stöttner, Martin Wagle, Florian Streibl, Fabian Mehring, Manfred Eibl, Peter Bauer, Susann Enders, Hubert Faltermeier, Hans Friedl, Tobias Gotthardt, Eva Gottstein, Joachim Hanisch, Wolfgang Hauber, Johann Häusler, Leopold Herz, Alexander Hold, Nikolaus Kraus, Rainer Ludwig, Gerald Pittner, Bernhard Pohl, Kerstin Radler, Gabi Schmidt, Jutta Widmann, Benno Zierer

Der Landtag begrüßt die Hightech Agenda Bayern und den darin vorgesehenen Schwerpunkt Clean Tech. Im Bereich der Clean Tech gibt es große Potentiale, die neben wirtschaftlicher Wertschöpfung auch nachhaltige Möglichkeiten zum Schutz von Umwelt und Klima bieten.


Mit Innovation und technischem Fortschritt anstatt Verboten soll Bayern zu einem Leitmarkt für innovativen Klimaschutz gemacht werden. Hier besteht vor allem in den Bereichen Mobilität, Energie, Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz und Wasser großer Bedarf, aber auch großes Potenzial.


Die Staatsregierung wird aufgefordert, dem Landtag zu den in der Hightech Agenda enthaltenen Maßnahmen, wie dem Forschungszentrum -Synthetische Kraftstoffe- und dem Bayerischen Batterienetzwerk, zu berichten, ebenso soll der Umsetzungsstand der Bayerischen Wasserstoffstrategie aufgezeigt werden.


Des Weiteren soll geprüft werden, ob die Hightech Agenda mit folgenden Maßnahmen ergänzt werden kann:


Ausbau des Ressourceneffizienzzentrums Bayern (REZ) zum -Clean Tech Hub für Kreislaufwirtschaft der Zukunft- als zentrale Informations- und Wissenstransferdrehscheibe für die bayerische Wirtschaft.


Daneben sollen innovative Lösungsansätze für die aktuellen Herausforderungen in der Kreislaufwirtschaft, wie beispielsweise in den Sektoren Sekundärrohstoffgewinnung und Kunststoffrecycling, betrachtet werden.



In der Regierungserklärung vom 10. Oktober 2019 kündigte Ministerpräsident Dr. Markus Söder die Hightech Agenda und eine Schwerpunktsetzung im Bereich Clean Tech mit 80 Millionen Euro an.


Damit können ökologische Risiken begrenzt und ökonomische Chancen genutzt werden.  Hierdurch wird unsere Volkswirtschaft fit für die Zukunft gemacht und zeichnet sich durch innovationsorientierte und ökologische Wertschöpfung aus.


Die Umwelttechnik und Ressourceneffizienz spielt für das Fortschreiten der Clean Economy eine Schlüsselrolle. Die CleanTech-Protagonisten tragen mit ihren Produkten, Verfahren und Dienstleistungen maßgeblich zur Bewältigung ökologischer Herausforderungen bei.


Für den Technologie- und Industriestandort Deutschland kann die Bedeutung von Umwelttechnik und Ressourceneffizienz gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt lag 2016 bei 15 Prozent und wird - so die Prognose im GreenTech-Atlas des BMU (2018) - bis 2025 auf 19 Prozent steigen.


Das weltweite Marktvolumen der Umwelttechnik und Ressourceneffizienz wird sich von mehr als 3,2 Billionen Euro (2016) bis 2025 voraussichtlich auf über 5,9 Billionen Euro erhöhen (jahresdurchschnittliches Wachstum von 6,9 Prozent). Der deutsche CleanTech-Markt wächst um 8,8 Prozent pro Jahr - und damit deutlich stärker als der internationale Markt.


CleanTech ist eine Querschnittstechnologie, die Umweltthemen mit Schlüsseltechnologien aus Industrie 4.0 verbindet.


Ein Überblick über die Marktvolumina der sechs CleanTech-Leitmärkte verdeutlicht das Potential (weltweite Zahlen):



  • Energieeffizienz: 837 Milliarden Euro

  • Umweltfreundliche Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Energie: 667 Milliarden Euro

  • Nachhaltige Wasserwirtschaft: 667 Milliarden Euro

  • Rohstoff- und Materialeffizienz: 521 Milliarden Euro

  • Nachhaltige Mobilität: 421 Milliarden Euro

  • Kreislaufwirtschaft: 110 Milliarden Euro


Nach Schätzungen des International Ressource Panels der Vereinten Nationen gehen rund 50 % der globalen CO2-Emissionen direkt oder indirekt auf die Rohstoffförderung und -verarbeitung zurück. Ein effizienter Ressourceneinsatz ist daher die ideale Verbindung von Ökonomie und Ökologie, denn er schont Klima und Umwelt, verringert die Importabhängigkeit und senkt die Kosten in den Unternehmen. Das Ressourceneffizienz-Zentrum Bayern (REZ), ein erfolgreiches Kooperationsvorhaben mit dem BIHK, soll daher im Rahmen der Bayerischen Klimaschutzoffensive zu einem bayerischen Innovations-Hub für saubere Technologien und neue Produktionsverfahren in der Kreislaufwirtschaft ausgebaut werden. Eine der wesentlichen Zielsetzungen dieses Clean-Tech Hubs REZ wird es sein, die Entwicklung und den Einsatz dieser innovativen Technologien zu fördern, die insbesondere auch durch den geplanten neuen Projektverbund für eine Kreislaufwirtschaft der Zukunft vorangetrieben werden. Um die Schlagkraft hier weiter zu erhöhen und zusätzliche Synergiepotenziale zu heben, bietet sich eine Aufnahme des geplanten Clean Tech Hub REZ in die Hightech Agenda an.


In der Kreislaufwirtschaft gibt es aktuell insbesondere im Bereich des Kunststoffrecyclings vielversprechende Ansätze, die für die Ergänzung der Hightech Agenda geprüft werden sollten, z.B.:



  • Upcycling: Aus verschiedenen Kunststoffabfällen entsteht so ein hochwertigeres Plastikprodukt.

  • Biorecycling: Anhand eines Enzyms werden 97 Prozent der PET-Reste in ihre Bestandteile zerlegt - bei einer Temperatur von 60 Grad. Auch damit soll es möglich werden, Plastik hochwertig wiederzuverwerten.

  • ReOil-Verfahren: Die österreichische OMV hat ein Verfahren entwickelt, das aus Plastikabfällen Rohöl zurückgewinnt, das erneut in den Raffinerieprozess eingespeist werden kann.


Darüber hinaus sollte auch der Ansatz des Urban Mining bei der Ergänzung der Hightech Agenda geprüft werden. Deutschland verfügt über Rohstoffvermögen von Sekundärrohstoffen in Form eines anthropogenen Materiallagers, das sich in Bauwerken, Infrastrukturen und langlebigen Gütern versteckt. Diesen Schatz zu heben, trägt zur Schonung natürlicher Ressourcen bei. Ein wichtiger Ansatz dazu ist Urban Mining (z.B. Elektrogeräte, Autos, Infrastrukturen, Gebäude und Ablagerungen auf Deponien). Für die Nutzung des anthropogenen Materiallagers sprechen viele Argumente, unter anderem der hohe Wertstoffgehalt: In Gütern wie Bauteilen und Maschinen liegen viele Metalle in Reinform oder hoch legiert vor. Eine große Herausforderung beim Urban Mining liegt darin, dass sich die Materialkreisläufe von Gebäuden, Infrastrukturen und langlebigen Konsumgütern teilweise erst nach Jahrzehnten schließen lassen. Die lange Zeitspanne erschwert die Ermittlung des Materialbestands und seiner Zusammensetzung. Deshalb geht der Ansatz Urban Mining bei der Betrachtung der Stoffkreisläufe weiter als die klassische Abfallwirtschaft. Urban Mining betrachtet den Gesamtbestand an langlebigen Gütern. Das heißt, Materialien sind folglich bereits während der Nutzungsphase im Fokus, um frühzeitig künftige Stoffströme prognostizieren und optimale Verwertungswege bestimmen zu können. Bei der Betrachtung des Ansatzes des Urban Mining sollte die Schadstoffthematik in die Untersuchung aufgenommen werden. Auch künftig wird eine wichtige Herausforderung darin liegen, schadstoffbelastete Stoffströme aus dem anthropogenen Lager sicher auszuschleusen, um insbesondere auch die Akzeptanz dieser Sekundärrohstoffe nicht zu gefährden.

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